Die Kalkschulter
- sog. Tendinosis calcarea -
Hier lesen Sie:
Was ist eine Kalkschulter ?
Was merkt man bei einer Kalkschulter ?
Wie entsteht eine Kalkschulter ?
Krankheitsphasen und Verlauf einer Kalkschulter ?
Wie unterteilt man Kalkschultern ?
Welches Alter und Geschlecht betrifft die Kalkschulter vorwiegend ?
Gibt es Risikofaktoren für eine Kalkschulter ?
Wie erkennt man eine Kalkschulter ?
Wie behandelt man eine Kalkschulter ?
Konservative und nicht-operative der Kalkschulter
Operative Therapie der Kalkschulter
Wie wird eine operierte Kalkschulter nachbehandelt ?
Häufige Fragen über die Kalkschulter
Was ist eine Kalkschulter ?
Der Laie spricht häufig von einer Kalkschulter, Kalkablagerungen
oder Kalkdepots; im Fachjargon sind Begriffe wie "Tendinosis calcarea",
" Tendinitis calcarea", "Tendinitis calcificans" oder
"PHS calcificans" gebräuchlich. Das Alles bezeichnet ein und
dieselbe Erkrankung. Bei etwa 2,5% der Bevölkerung finden sich Kalkablagerungen
an der Schulter, diese Ablagerungen müssen aber nicht immer Probleme
bereiten. Wenn Sie über eine 3D Brille verfügen, können Sie sich hier einen räumlichen Eindruck von der Lage dieser Kalkdepots / der Kalkschulter gewinnen. Es gibt Kalkablagerungen / Kalkdepots, welche ausschliesslich an den Schultern auftreten und Kalk, welcher auch an anderen Gelenken, wie z.B. der Hüfte, Schmerzen bereitet, das ist wesentich seltener. Auf dieser Seite wird auf die Kalkdepots eingegangen, welche isoliert an den Schultern entstehen. Man war jahrelang der Meinung, daß die Kalkdepots aus Kalziumphosphat oder Hydroxylapatit bestehen. Eine weitere chemische Verbindung die eine wesentliche Rolle zu spielen scheint ist der Carbonatappatit. Es handelt sich also um Kalziumsalze und /oder Carbonsalze.
Das Wort "Tendinosis " bedeutet " Sehnenverschleiss ". Das Wort " calcarea " meint " verkalkt". Es handelt sich um einen verkalkenden Sehnenverschleiss. Der Begriff " Tendinitis " heisst übersetzt soviel wie " Sehnenentzündung ".
Man trifft Kalkdepots nicht nur an der Schulter sondern auch an anderen Sehnen des Körpers an, z.B. in der Kniescheibensehne, der Hüftregion oder an der Achillessehne. Dieser Artikel befasst sich ausschliesslich mit Kalkablagerungen an der Schulter, der sog. "Kalkschulter".
Lage: Die Kalkdepots der Kalkschulter liegen meistens in der Sehne des Supraspinatusmuskels. Sie sind aber auch andernorts an der Schulter, d.h. an anderen Sehnenansätzen, wie den Sehnen des Infraspintusmuskels oder Subscapularismuskels anzutreffen.
Hier können Sie eine Fotostrecke arthroskopisch gesichteter Kalksdepots an der Schulter ansehen.
Was merkt man bei einer Kalkschulter ?
Die weit überwiegende Zahl von Kalkdepots an der Schulter macht überhaupt keine oder allenfalls nur wenig Schwierigkeiten. Oft werden sie als Zufallsbefund auf Röntgenbildern entdeckt - ohne dass daraus Konsequenzen resultieren. Eine nicht geringe Anzahl von Patienten sucht aber ihren Arzt wegen Problemen mit einer Kalkschulter auf ( kurze Anmerkung nebenbei: Kalkablagerungen an der Schulter haben nichts mit Kalkablagerungen in den Gefässen - der Arteriosklerose - zu tun ). Ganz im Vordergrund steht bei den Beschwerden: der Schmerz. Er treibt den Patienten zum Arzt und mündet - falls alles andere nicht fruchtet - in der operativen Entfernung. Viele der Betroffenen klagen über Nachtschmerzen, insbesondere, wenn sie sich im Schlaf auf die erkrankte Schulter drehen. Ein Hauptübel ist der mangelnde Nachtschlaf und die damit einhergehende Unausgeruhtheit am Tage. Ein Schlafen auf der betroffenen Schulterseite ist den Patienten nicht möglich. Über Monate und Jahre hinweg betrachtet, hat der Schulterschmerz einen "wellenhaften" Charakter. Es gibt Tage und Wochen ohne Schmerzen und andererseits Phasen mit heftigsten Schmerzen. Häufig ist der Schmerz bei Tätigkeiten in oder über Schulterhöhe ( Wäsche aufhängen, Fenster putzen, etc. ) vorhanden, weil die Kalkablagerung zwischen Oberarmkopf und Schulterdach dabei einklemmen kann. Besonders schlimm - und schwer mit Medikamenten beeinflussbar - sind Schmerzen im Falle eines Auflösungsprozesses des Kalkdepot. Manchmal ist es schwierig mit dem Arm in eine Jacke zu kommen. Insgesamt können die Schmerzen und Beschwerden der Kalkschulter recht unterschiedlich sein, je nachdem in welchem Erkrankungsstadium sich der Betroffene gerade befindet.
Wie entsteht eine Kalkschulter ?
Bis heute liegen die Ursachen der Entstehung solcher
Kalkschultern im Unklaren. Man weiss, dass Frauen und Personen im mittleren
Lebensalter ( etwa 30. bis 50. Lebensjahr ) am häufigsten betroffen sind.
Vermutet werden als Ursache eine vermehrte mechanische Belastung der Sehnen
an der Schulter mit wahrscheinlich einhergehenden Durchblutungsstörungen
und Umbau von Sehnenzellen zu Verknöcherungen. Möglicherweise ist es eine Anlage zu einer schlechteren Durchblutung der Sehnenansätze an der Schulter, welche die Entwicklung dieser Kalkdepots / Kalkschulter triggert. Eine Enge unter dem Schulterdach ( das sog. Impingement ) kann ebenfalls zur Entwicklung der Kalkablergerungen bei der Tendinosis calcarea beitragen. Der Druck im Sehnengewebe erhöht sich und die Sauerstoffversorgung der einzelnen Sehnenzellen wird geringer. Derart sterben Sehnenzellen ab und Kalk wir dort eingelagert, welcher im Laufe der Zeit immer mehr und mehr wird, bis richtige Kalkdepots entstanden sind und zu Einklemmungen und Schmerzen führen. Wird die Schulter infolge der gereizten Sehnenansätze und damit verbundenen Schmerzen geschont, was regelmässig der Fall ist, kann sich eine Schultersteife entwickeln.
Es schmerzt einerseits der Kalk an sich, und zwar wenn er im Raum unter dem Schulterdach einklemmt. Grosse Kalkdepots stellen in dieser Region ein mechanisches Hindernis dar, welches ähnlich "Sand im Getriebe" zu mechanischen Einklemmungen und Reizungen führt. Andererseits bereitet, insbesondere in der akuten Auflösungsphase der Durchbruch des Kalkes in den Schleimbeutel unter dem Schulterdach die Schmerzen.
3D Modell: Die Kalkablagerung ( siehe: weisser Pfeil ) klemmt zwischen Oberarmkopf und Schulterhöhe ein.
Krankheitsphasen und Verlauf einer Kalkschulter
Man unterscheidet vier Phasen:
1. Die Zellumwandlung / Transformationsphase: Die Sehnenzellen werden infolge Schwellung, Entzündung und vermehrten Druck sowie verminderter Sauerstoffversorgung der Sehnenzellen in knorpelige Zellen umgewandelt. Sichtbar ist das noch nicht, weill noch keine Verkalkung stattgefunden hat. Unterschwellige Schulterschmerzen bestehen in dieser Phase u.U
. schon Jahre vorher beim betroffenen Patienten - ohne das man die Kalkablagerungen diagnostisch erfassen kann.
2. Verkalkungsphase: Die Knorpelzellen sterben ab und werden durch Kalkablagerungen in der Schulter / z.B. Supraspinatussehne ersetzt. Die Schulterschmerzen werden mehr. Die Diagnostik kann den Kalk jetzt erfassen.
3. Auflösungsphase ( Resorption ): Das Kalkdepot löst sich in der Schulter spontan auf. Die örtliche Entzündungsreaktion im Raum Tunnel unter dem Schulterdach ist erheblich. Die Schulterschmerzen sind in dieser Phase sehr heftig, weil der entzündete und aufgequollene Schleimbeutel ( Bursitis subakromialis ) keinen Platz hat sich zwischen den beiden Knochen des Oberarmkopfes ( unten ) und knöchernem Schulterdach ( oben ) auszudehnen.
Milchige Struktur, unscharfe Ränder im Röntgen. Das Kalkdepot löst sich auf.
4. Reparationsstadium: Die Region des aufgelösten Kalkdepots verheilt und örtlich bildet sich eine Vernarbung aus.
Bei weitem nicht jeder Patient mit einer Tendinosis calcarea der Schulter durchläuft diese Erkrankungsphasen in dieser klassischen Form.
Wie unterteilt man Kalkschultern ?
Im Wesentlichen unterscheidet man das akute vom chronischen Erkrankungsstadium. Die verschiedenen Entwicklungsstadien der Kalkdepotentwicklung beschreibt die Uhthoff Klassifikation. Röntgenologisch werden Kalkablagerungen mittels der Gärtner und Heyer, der Bosworth- und Mole-Klassifikationen beschrieben.
Welches Alter und Geschlecht betrifft die Kalkschulter vorwiegend ?
Die weitaus meisten Kalkablagerungen an der Schulter treten im mittleren Lebensalter, d.h. zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr, auf. 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen und etwa 30 Prozent Männer. Warum gerade Frauen häufiger betroffen sind ist bis heute nicht bekannt.
Gibt es Risikofaktoren für eine Kalkschulter ?
Spezielle Risikofaktoren sind nicht bekannt. Möglicherweise könnte eine Überkopftätigkeit im Beruf und Freizeitsport die Entwicklung der Kalkdepots begünstigen.
Wie erkennt man eine Kalkschulter ?
Die diagnostische Abklärung beginnt mit einem ärztlichen Gespräch und Untersuchung. Die typischen Symptome werden abgefragt und eine allgemeine Schulteruntersuchung sowie spezielle Schultertests durchgeführt.
Kalkdepots lassen sich oft gut im Röntgen erkennen. Dazu kann man Röntgenaufnahmen in verschiedenen Drehstellungen des Armes oder auch Spezialaufnahmen anfertigen.

Im Röntgen ist das Kalkdepot dicht und scharf begrenzt:
Chronisches Stadium.
Die Sonographie / Ultraschalluntersuchung kann die Kalkdepots indirekt darstellen, und zwar über die sog. "Schallauslöschung ". Begleitphänomene wie einen entzündeten Schleimbeutel unter dem Schulterdach oder Defekte in der Rotatorenmanschette kann die Sonographie der Schulter ebenso abbilden. Die Ultraschalluntersuchung hat den Vorteil der relativ breiten Verfügbarkeit, Strahlenfreiheit und Möglichkeit zur dynamischen Untersuchung ( d.h. Strukturen können unter Bewegung abgebildet werden ). Nachteilig ist die nicht ganz so gute direkte Darstellung der Kalkablagerungen.
Röngten und Sonographie / Ultraschall werden überwiegend zur Diagnostik der Tendinosis calcarea eingesetzt.
Mittels der Kernspintomographie ( = MRT, Magnetresonanztomographie ) kann man die Tendinosis calcarea gut erkennen und auch begleitende krankhafte Befunde in den Weichteilen der Schulter.
Die Szintigraphie bildet die Kalkdepots als "Hot Spots" ( leuchtende Punkte ) ab. Sie wird aber praktisch gar nicht in der Diagnostik der Kalkschulter eingesetzt.
Wie behandelt man eine Kalkschulter ?
Behandlungsziel:
Das Ziel der
nicht operativen Massnahmen der Kalkschulter ist die Schmerzlinderung, und zwar möglichst in Verbindung mit einer dauerhaften Beseitigung des Kalkdepots.
Konservative / nichtoperative Therapie einer Kalkschulter :
Im Vordergrund stehen zunächst nicht operative
Massnahmen, wie die Verordnung von Schmerzmitteln und / oder Entzündungshemmern. Man unterscheidet im Wesentlichen konventionelle Schmerzmittel von Entzündungshemmern, den sog. nicht steroidalen Antiphlogistika ( NSAR ). Die NSAR wirken sowohl gegen Schmerzen und hemmen die Entzündung. Zurückhaltend sollte man mit den NSAR bei Nieren- und Magen- sowie Herzerkrankungen sein. Nimmt man diese Substanzen langfristig ein scheint, entsprechend mehrerer wissenschaftlicher Studien, das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt statistisch erhöht zu sein.
Eine andere Wirkstoffgruppe, die man auch einsetzt sind muskelentspannende Medikamente ( sog. Muskelrelaxantien ). Sie sollen schmerzlindernd wirken.
Spritzen: Sie sind an der Schulter insbesondere während akuter Schmerzphasen geeignet. In der Regel setzt man etwa 3 Spritzen an das Kalkdepot oder unter das Schulterdach. Es werden meistens Medikamente wie Kortison kombiniert mit örtlichen Betäubungsmitteln gespritzt. Der dosierte und gezielte Einsatz von Cortison als Zusatz bei der Spritzentherapie der Schulter ist sehr sinnvoll und effektiv. Man muss aber wissen: Wird Kortison häufig an den Sehnenansatz über längere Zeit gespritzt, kann es zu Rissen der Sehnen - in Einzelfällen - kommen. Spritzen haben den Vorteil, daß sie sehr effektiv und schnell vom Schmerz bei Tendinosis calcarea befreien, meist zeitlich begrenzt. Nachteilig ist, daß man in sehr seltenen Fällen eine Infektion verursachen kann. Bei Diabetikern ist man eher zurückhaltend mit Spritzen an die Schulter. Die Anwendung von Spritzen / Infiltrationen ist möglich. Das hat aber u.U. den Nachteil, dass Diabetiker infektanfälliger sind und Kortison zu mehr oder weniger deutlichen Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen kann.
Eine Sonderform der Spritzentherapie stellt die Neuraltherapie / therapeutische Lokalanästhesie ( TLA ) dar. Mit wiederholten, in der Regel reinen örtlichen Betäubungen, z.B. sog. Triggerpunkte, versucht man das Erkrankungsbild der Tendinosis calcarea an der Schulter zur Ruhe zu bringen.
Andere Varianten der Spritzentherapie wie z.B. Blockaden des Nervengeflechtes ( sog. Plexusblockaden ) mittels Schmerzkathetern kann man durchführen. Sie sind nicht die Therapie erster Wahl und werden insgesamt eher selten zur Behandlung der Tendinosis calcarea an der Schulter angewandt.
Physiotherapie / Krankengymnastik: Sie ist ein wichtiges nichtoperatives Verfahren zur Schmerzlinderung und Dehnung verkürzter Schultermuskeln infolge Schonhaltung. Kalkablagerungen der Schulter verursachen vor allem auch chronische Schmerzen und mit der Physiotherapie / Krankengymnastik kann man der Entwicklung einer Schultersteife vorbeugen. Krankengymnastik und Physiotherapie werden auch nach der operativen Kalkentfernung an der Schulter angewandt und sind nach solchen arthroskopischen Entfernung bei der Kalkschulter in der Phase nach der Operation ( Nachbehandlung ) wertvoll. Die Kryotherapie / Kältetherapie findet im Rahmen der Krankengymnastik der Tendinosis calcarea u.U. Anwendung, und zwar vor wie auch nach einer Operation der Kalkschulter. Besonders in der akuten Auflösungsphase, die mit heftigen Schmerzen einhergeht, macht eine Kryotherapie in Verbindung mit z.B. Pendelübungen Sinn.
Stosswellentherapie: Bei ihr verwendet man unterschiedlich energetische Schallwellen. Das Verfahren gibt es in der Orthopädie seit etwa 10 Jahren und in der Urologie seit etwa 25 Jahren. Vielen Patienten ist die Zertrümmerung von Nierensteinen geläufig. Das gleiche Prinzip findet an der Schulter zur Zertrümmerung der Kalkdepots Anwendung. Es werden gewissermassen Risse im Kalkdepot erzeugt, durch die Schallwellen. Die entstehenden Kalkreste führen u.U. zu einer örtlichen Entzündung der Schulter und des Schleimbeutels unter dem Schulterdach, mit wenige Tage anhaltenden deutlichen Schmerzen ( als positives Zeichen des Auflösungsprozesses ). Die Kalkreste werden vom Körper selbst abgebaut. Die Lithotripsie / Stosswellentherapie wird mit und ohne örtliche Betäubung angewandt. Sie hat den Vorteil, daß man eine Operation der Schulter vermeiden kann, wenn sie anschlägt. Man braucht keine Narkose. Von Nachteil ist, daß die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. Es gibt unterschiedliche Therapieschemata und Dosierungen. Die Stosswellentherapie nennt man auch Lithotripsie, Lithotrypsie, ESWA = extrakorporale Stosswelennapplikation oder ESWT = extrakorporale Stosswellentherapie. Ob sich das Kalkdepot durch die Stosswellen defintiv auflöst, Reste oder das ganze Kalkdepot verbleiben und eine langfristige Beschwerdebefreiung eintreten wird, kann man bei der Stosswellentherapie nicht sicher im Einzelfall vorhersagen. Studien zufolge soll die Erfolgsquote der Stosswellentherapie zwischen 35 und 75% liegen.
Akupunktur / Akupressur: Die Akupunktur dient der Schmerzlinderung. Die Akupressur kann vor allem die örtliche Durchblutung fördern. Beide Verfahren können das Kalkdepot nicht beseitigen. Sie sind schmerzlindernde Anwendungen. Bei der Akupunktur werden zunächst etwa 10 Sitzungen durchgeführt, indem man am Körper oder Ohr bzw. Schädel die Nadeln setzt. Geeignet sind die Akupunktur und Akupressur der Schulter / bei Kalkdepots vor allem in der chronischen Schmerzphase.
Röntgentiefenbestrahlung: Es ist eine seit Jahrzehnten benutztes Verfahren. Man kann mit der Rötngentiefenbestrahlung die Tendinosis calcarea / Kalkdepots nicht entfernen, aber versuchen die Schmerzen zu beseitigen. Wenn sie anschlägt hält es meistens mehrere Monate. Von Vorteil ist der Umstand, daß man keine Medikamente nehmen muss. Von Nachteil ist, daß man einer gewisse, aber niedrigen, Strahlendosis ausgesetzt ist. Es werden unterschiedliche Therapieschemata mit unterschiedlich vielen Sitzungen verwandt.
Needling: In wachem Zustand, meistens unter örtlicher Betäubung, wird das Kalkdepot mit einer Nadel eröffnet, und zwar unter Röntgenkontrolle. Oft wird das mit einer Spülung des angestochenen Kalkdepots verbunden. Man möchte den Kalk gewissermassen herausspülen. Vor Entwicklung der arthroskopischen Schulterverfahren war es ein gängiger Eingriff, in den 80er und Anfang der 90er Jahre. Das Needling kann schmerzhaft und unangenehm für den Patienten sein. Es wurde in den letzten 10 Jahren durch Therapieverfahren wie die Lithotripsie / Stosswellentherapie und die arthroskopische Kalkentfernung abgelöst.
Ein Needling führt man heutzutage vereinzelt noch im Rahmen der arthroskopischen Operation manchmal durch.
Physikalische Therapie: Bei der physikalischen Therapie der Tendinosis calcarea an der Schulter finden Verfahren wie der therapeutische Ultraschall oder die Elektrotherapie und Iontophorese Anwendung.
Bei der Ultraschallbehandlung wird ein Gel auf die Schulter aufgebracht und es werden therapeutische Ultraschallwellen benutzt, um örtlich die Durchblutung in der Region der Kalkablagerung / Tendinitis calcarea zu fördern. Ultraschall wird an der Schulter auch zu diagnostischen Zwecken eingesetzt.
Bei der Elektrotherapie fördern Gleichströme / galvanische Ströme die örtliche Durchblutung am Kalkdepot der Schulter.
Und bei der Iontophorese bringt man ein Gel / eine Salbe an der Haut der Schulter auf. Mittels angelegter Elektroden werden diese Substanz über den zwischen den Elektroden fliessenden Strom bei der Iontophorese in die Tiefe, an das Kalkdepot, herangetragen.
Schulterorthesen / Schulterschienen: Sie spielen in der nichtoperativen Therapie der Tendinosis calcarea eine weit untergeordnete Rolle und finden kaum Anwendung. In der ganz akuten Phase, während eines Auflösungsprozesses, kann eine Armschlinge für wenige Tage sinnvoll sein.
Psychologisch / psychotherapeutische Behandlungen sind eher unüblich / kaum angewandte Therapiemethoden für Kalkdepots an der Schulter.
Operative Therapie der Kalkschulter:
Bestehen, trotz nicht operativer Therapie, unverändert
Probleme und Schulterschmerzen so werden die Kalkablagerungen der Kalkschulter endoskopisch - durch´s Schlüsseloch - oder in einer "
Mini Open" Prozedur / minimal invasiv oder offen operativ entfernt.
Die endoskopische
Kalkdepotentfernung gehört zur Tagesroutine. Sie ist ein schonend
und ein kaum schmerzhafter Eingriff, mit dem sich Kalkablagerungen sehr präzise
und dauerhaft entfernen lassen. Nicht selten wird der Eingriff ambulant durchgeführt.
Über 2 bis 3 kleinere, etwa 1 cm lange Schnitte, werden eine Endoskopiekamera und Werkzeug plaziert. Der entzündete Schleimbeutel wird arthroskopisch entfernt und das Kalkdepot aufgesucht und mittels spezieller Löffel und arthroskopischer Präszisionsfräsen entfernt und abgesaugt. Ein Video des arthroskopisch operativen Vorgehens können Sie sich hier ansehen. Den operativen Ablauf als Fotoserie finden Sie hier.
Gerade dann, wenn die Schmerzen am schlimmsten sind ( bei einem
Auflösungsprozess ) operiert man nicht, sondern wartet ab. Der
Grund liegt darin, dass die heftigen Schmerzen binnen Tagen nachlassen, das
Kalkdepot sich langsam auflöst und somit die Operation in diesen Fällen
nicht notwendig wird.
Nach der arthroskopischen Kalkdepotentfernung darf und soll der Arm - beschwerdeangepasst - direkt bewegt werden. Den Erfolg der Kalkentfernung merkt man ziemlich schnell.
Nachteil der arthroskopischen Kalkentfernung ist der Umstand, daß man es nicht in wachem Zustand sondern unter Vollnarkose bzw. Leitungsbetäubung durchführt. In sehr seltenen Fällen kann man einen Infekt verursachen.
Von Vorteil ist der Umstand, daß die arthroskopische Kalkdepotentfernung an der Schulter ein Verfahren ist, welches das Kalkdepot defintiv und auf Dauer beseitigt und damit auch die Beschwerden langfristig beseitigt.
Je nach individueller Situation wird die arthroskopische Kalkdepotentfernung an der Schulter mit einer Akromioplastik kombiniert. D.h. man schafft Luft im Tunnel unter dem Schulterdach ( Impingement ).
Wie wird eine operierte Kalkschulter nachbehandelt ?
Unmittelbar nach der Operation wird das OP Gebiet gekühlt. Schmerzmittel werden, soweit notwendig, verabreicht. Die Pflaster / Wundverbände werden in den ersten 10 Tagen zwischendurch gewechselt. Der Arm darf direkt benutzt werden. Eine Ruhigstellung in einer Schlinge / Schiene / Verband ist nicht notwendig. Die Fäden werden nach etwa 10 bis 12 Tagen entfernt. Bis dahin sollten der operierte Arm / die Schulter geschont werden.
Eine begleitende Krankengymnastik nach der Kalkdepotentfernung an der Schulter ist sinnvoll und wichtig, weil damit Verklebungen und Verwachsungen in der Schulter nach der Operation vorgebeugt wird.
Häufige Fragen über die Kalkschulter ( FAQ´s):
Kann sich ein Kalkdepot auflösen ?
Ja. Kalkdepots können
sich u.U. spontan auflösen. Ob und wann so etwas passiert, und ob es überhaupt stattfindet, ist nicht
vorhersagbar.
Kommen Kalkdepots wieder ?
Ist das Kalkdepot einer
Kalkschulter beseitigt ( unabhängig von der durchgeführten Therapie
), so ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens an der behandelten
Schulter in Zukunft sehr niedrig. Fast nie kommt es zum Wiederauftreten.
Was ist mit meiner anderen Schulter ?
Die Wahrscheinlichkeit
des Auftretens einer Kalkablagerung an der Gegenschulter, ist erhöht,
sie liegt - je nach Studie - bei etwa 10%.
Gleiche / ähnliche Begriffe für eine Kalkschulter ( Synonyme ):
Tendinosis calcarea, Tendinosis kalkarea, Tendinitis calcarea, Tendinitis kalkarea, Kalkdepots, Kalkablagerungen, PHS calcificans, PHS kalzificans, Periarthropathie, aktive Kalkschulter, aktivierte Kalkschulter, symptomatische Kalkschulter, Verkalkungen der Schulter, Schulterverkalkungen, Bursitis calcarea, Bursitis kalkarea
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