Die Humeruskopfnekrose
- das Absterben des Oberarmkopfes -
Video ( 1.44 Min ): E-Learning / Informationen zur Humeruskopfnekrose
Hier lesen Sie:
Was ist eine Humeruskopfnekrose ?
Was merkt man bei einer Humeruskopfnekrose ?
Wie entsteht eine Humeruskopfnekrose ?
Wie erkennt man eine Humeruskopfnekrose ?
Wie behandelt man eine Humeruskopfnekrose ?
Wie ist die Prognose einer Humeruskopfnekrose ?
Nachbehandlung einer operierten Humeruskopfnekrose
Was ist eine Humeruskuopfnekrose ( Definition ) ?
Die Bezeichnung " Tod des Oberarmkopfes " hört sich dramatisch an. Gemeint ist eine Durchblutungsstörung der " Kugel ", welche langsam zum Absterben wechselnd grosser Knochenbezirke und von Knochenmark im Oberarmkopf führt. Meistens brechen infolgedessen die Knochenstrukturen des Oberarmkopfes ein. Der Mediziner spricht an der Schulter von der sog. Humeruskopfnekrose des Oberarmkopfes.
Was merkt man bei einer Humeruskopfnekrose ( Symptome ) ?
Fast alle Patienten, die von dieser seltenen Erkrankung betroffen sind, spüren im Anfangsstadium leichte Schmerzen. Der Schmerz nimmt über Wochen und Monate langsam immer mehr zu. Er wird in der Schulter oder im Oberarm empfunden und quält die Betroffenen insbesondere nachts. Durch die schmerzverursachte Schonhaltung kann sich im Laufe der Zeit eine Schultersteife einstellen.
Wie entsteht eine Humeruskopfnekrose ( Ätiologie ) ?
Hinsichtlich der ursächliche Entstehung kann man grob zwischen den traumatischen Nekrosen und den nicht-traumatischen unterscheiden.
Die genaue Ursachenkette ist bis heute nicht geklärt.
Liegt ein Bruch des Obermkopfes mit Zerstörung der Blutgefässversorgung
vor, so ist die Ursache klar. In vielen Fällen findet sich aber kein
Unfall in der Vorgeschichte. Ein kleinerer Teil der Patienten musste Cortison
einnehmen oder leidet an Stoffwechselstörungen. Stickstoffembolien -
wie sie beim Tauchen vorkommen ( sog. " Caissonkrankheit " ) - spielen
zahlenmässig eine weit untergeordnete Rolle. Ganz häufig bezeichnet
der Fachmann die Oberarmkopfnekrose als " idiopathisch ", was bedeutet,
dass die Ursache ungeklärt bleibt.
Anstelle des Begriffes "idiopatisch" spricht man auch von einer "primären" Oberarmkopfnekrose. Davon unterscheiden sich die sekundären Humeruskopfnekrosen, welche im Rahmen einer anderen Erkrankung nachfolgend, also sekundär als zweites, entstehen. Dazu zählen z. B.: der Diabetes mellitus ( Blutzuckerkrankheit ), Schwangerschaft, Strahleneinwirkungen, hohe Harnsäure- ( Gicht ) oder Bluttfettwerte, Kortison, Alkohol ( u.U. in Kombination mit Nikotineinwirkung / Rauchen), Blutbilderkrankungen, Morbus Gaucher, Bauchspeicheldrüsenentzündungen.
Neuere Forschungsansätze lassen Störungen in der Blutgerinnung vermuten, wobei man zunehmend zu der Einschätzung gelangt, dass das Zusammenwirken von mehreren Faktoren die Entwicklung Humeruskopfnekrose startet.
Wie erkennt man eine Humeruskopfnekrose ( Diagnostik ) ?
Humeruskopfnekrosen werden oft sehr spät erkannt, wenn die Zerstörung des Oberarmkopfes schon weit fortgeschritten ist. Das liegt an der Konstruktion der Schulter. Die Schulter ist verhältnismässig gut belastbar und die Schulterpfanne wie auch der Oberarmkopf halten grosse Verformungen und Knochen- / Knorpelverluste aus bis es zu Problemen / Schmerzen et cetera kommt.
Als Standardverfahren gilt die Röntgenaufnahme der Schulter. Sie stellt die Nekrose gut dar, aber regelmässig im fortgeschrittenen Stadium. Die Röntgendiagnostik kann die gerade so wichtige Erfassung der Oberarmkopfnekrose in der Frühphase nicht leisten.
Typisches Röntgenbild einer fortgeschritteneren Humeruskopfnekrose
In den letzten beiden Jahrzehnten wird die Frühdiagnostik mittels der Kernspintomographie durchgeführt. Sie hat sich hier als Diagnostikverfahren etabliert.
Die Computertomographie ( CT ) kann zur OP Planung und dreidimensionalen Auswertung des Ausmasses der Nekrose eingesetzt werden oder auch zur Abklärung, ob die Oberfläche des Oberarmkopfes u.U. schon eingebrochen und nicht mehr tragfähig ist.
Von eher untergeordneter Bedeutung und Spezialfällen vorbehalten ist die Szinitgraphie. Die Knochendichtemessung spielt in der Diagnostik der Humeruskopfnekrose keine wesentliche Rolle.
Wie behandelt man eine Humeruskopfnekrose ( Therapie ) ?
Die Möglichkeiten der nicht-operativen Behandlung der Oberarmkopfnekrose sind sehr begrenzt. Die Physiotherapie und physikalische Therapie können allenfalls als Begleitverfahren eingesetzt werden. Das Gleiche gilt für Entzündungshemmer und die Elektrostimulation. Die hyperbare Sauerstofftherapie ( Druckkammerbehandlung ) hat keine festen Stellenwert in der konservativen Behandlung der Humeruskopfnekrose.
Manchmal - nicht unbedingt routinemässig - macht die Spiegelung des Schultergelenkes ( Schulterarthroskopie ) Sinn, wenn es vorwiegend darum geht freie Gelenkkörper, von der Oberfläche des Oberarmkopfes abgebrochene Knorpelstücke zu entfernen oder bei jungen Patienten ein Bestandsaufnahme und Erhebung der Prognose durchzuführen.
Bei frühzeitiger Erkennung kann der Oberarmkopf operativ angebohrt werden. In der Frühphase findet sich im absterbenden Bereich des Oberarmkopfes ein erhöhter Druck im Knochen. Durch eine Anbohrung ( auch Core decompression oder Kerndekompression genannt ) erreicht man eine Druckentlastung und damit einhergehend eine Schmerzbefreiung für den Patienten sowie eine Erholungsmöglichkeit für das Knochengewebe. In wissenschaftlichen Studien werden Erfolgsraten der Kerndekompression bei 40 bis 90% der Patienten angegeben - immer unter der Voraussetzung, dass die Nekrose des Oberarmkopfes in einem frühen Stadium ( Stadium 1 und 2 von 5en ) erkannt wird. Ab Stadium 3 sinkt die Erfolgsrate auf etwa 50%. In weiter fortgeschrittenen Fällen kann die Kerndekompression den Kollaps des Oberarmkopfes nicht mehr verhindern.

Kerndekompression ( sog. Core decompression ) des Oberarmkopfes bei Humeruskopfnekrose - als Erhaltungsversuch
Ist die Erkrankung fortgeschritten, so wird man ein künstliches Schultergelenk einbauen müssen. Der Schmerz ist in diesen Fällen heftig und die Schulter - infolge des Einbrechens der Kopfkonturen - zerstört. Da häufiger jüngere Patienten betroffen sind, können in derartigen Fällen verhältnismässig kleine Spezialprothesen eingebaut werden. Die Auswahl des Schulterprothsentypes hängt dabei vom Ausmass der Zerstörung des Oberarmkopfes, der Intaktheit der Muskeln und Sehnen ( = Rotatorenmanschette ) und dem für die Verankerung der Schulterprothese notwendigen Knochenstock ab. Im Vergleich zu anderen Zuständen, welche den Einbau eines künstlichen Schultergelenkes notwendig machen ( Trümmerbrüche, Zustände nach Infektionen ), sind die Ergebnisse des Einbaus von Schulterprothesen bei der Humeruskopfnekrose kurz-, mittel- und langfristig meistens gut bis sehr gut. Oft reicht es auf einen künstlichen Pfannenersatz zu verzichten und nur den zerstörten Oberarmkopf, z.B. durch einen Oberflächenersatz / Cup, zu ersetzen.

Oberflächenersatz, sog. Cup Prothese. Es wird ausschliesslich die zerstörte Oberfläche des Oberarmkopfes ersetzt
Wie ist die Prognose einer Humeruskopfnekrose ?
Unbehandelt mündet der Verlauf der Oberarmkopfnekrose in einer Zerstörung und Deformierung des Oberarmkopfes. Aufgrund der Durchblutungsstörung erweicht der Knochen und ist nicht mehr tragfähig genug. Der Knochen verformt sich und der Oberarmkopf entrundet. Das führt schlussendlich zu einem Verschleiss im Schulterhauptgelenk - mit entsprechendem Reiben, Schmerzen, Gebrauchsunfähigkeit und Bewegungseinschränkung.
Nachbehandlung einer operierten Humeruskopfnekrose:
Die Rehabilitation hängt vom gewählten operativen Therapieverfahren ab. Nach einer Anbohrung dürfen die Schulter und der betroffene Arm unmittelbar danach aktiv - beschwerdeangepasst - bewegt werden.
Wird der Einbau eines künstlichen Schultergelenkes vorgenommen, muss für einen Zeitraum von etwa 4 bis 5 Wochen eine Schiene getragen werden. Näheres dazu erfahren Sie hier.
Gleiche / Ähnliche Begriffe ( Synonyme ):
Oberarmnekrose, HKN, Humerusnekrose, Oberarmkopfnekrose, Kopfnekrose, Osteonekrose
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