Die Werferschulter / Sportlerschulter
Schulterverletzungen und Schultererkrankungen

Besonders bei Wurfsportlern und Überkopfsporarten, wie Tennis, Handball, Schwimmen, Volleyball, oder auch Baseball treten Schulterprobleme in Form von Rotatorenmanschettenrissen oder Formen des inneren Impingement ( sog. posterosuperiores oder anterosuperiores Impingement ) auf.
Einerseits entstehen Risse in der Rotatorenmanschette traumatisch, also z.B. durch Stürze. Sie sind aber bei Sportlern und in der Altersgruppe unter 40 Jahren sehr selten, gehören dann aber unverzüglich operativ genäht.
Wie entsteht die Werferschulter / Sportlerschulter ( Ätiologie ) ?
Andererseits entstehen viele Probleme der Rotatorenmanschette durch Überlastung. Dazu sind detaillierte Kenntnisse über den Ablauf der Wurfbewegung wichtig. Man unterteilt die Wurfbewegung im Wesentlichen in 3 Phasen:
1. Die Ausholphase: Der Arm wird abgespreizt und aussengedreht, z.B. ein Ball nach hinten, hinten und hinten über den Körper geführt.
2. Die Beschleunigungsphase: Der Wurfarm wird sehr schnell innengedreht und z.B. ein Ball oder Schläger blitzschnell nach vorne geführt.
3. Die Abbremsphase: Zu diesem Zeitpunkt ist der Wurfarm vorne vor dem Oberkörper. Am Beginn einer Abbremsphase wird z.B. ein Ball losgelassen und verlässt die Wurfhand. Während des Abremsens treten enorm hohe Kräfte in der Schulter auf. Eine sehr wichtige Struktur, die zum Abbremsen beiträgt ist die hintere Schulterkapsel. Durch ständige Wurfbewegungen eines Hochleistungssportlers kommt es zu Verdickungen dieser hinteren Schulterkapsel, so dass die Einwärtsdrehung ( im Vergleich zum anderen Arm ) vermindert und ein erstes und deutliches Warnzeichen für ein sich anbahnendes inneres Impingement ist.
Wird o.g. trotz Warnzeichen weitertrainiert oder Wettkampfsport ausgeübt, treten Schäden in der Wurfschulter auf, welche zu Schmerzen führen. Man spricht jetzt von einer sog. "Werferschulter" oder "Sportlerschulter". Solche Schäden können sein:
1. Auffaserungen der Rotatorenmanschette im Sinne von Teilrissen, die man z.B. als PASTA Schäden gelenkseitig bei der Schulterspiegelung sichten kann.
2. Risse / Schäden am Anker der langen Bizepssehne, d.h. am Oberrand der Schulterpfanne. Man bezeichnet diese Schäden auch als SLAP Läsionen.
3. Es kann ein sog. posterosuperiores Impingement entstehen. D.h. Die Supraspinatussehne klemmt hinten oben am Schulterpfannenrand zwischen Schulterpfanne und Oberarmkopf, am Ende der Ausholphase, ein.
4. Selten kann auch ein anterosuperiores Impingement entstehen. Dabei klemmt die vordere Sehne der Rotatorenmanschette, die sog. Subscapularissehne, zwischen Oberarmkopf und Coracoid ( Rabenschnabelfortsatz ) bzw. vorderem Schulterpfannenrand - in der Abbremsphase - ein und fasert zu einem Teilriss auf.
Was macht man ( Therapie ) ?
Wird diese Entwicklung früh genug bemerkt, z.B. an der schwindenden Innendrehfähigkeit der betroffenen Schulter, kann man mit nichtoperativen Massnahmen, wie der frühzeitigen krankengymnastischen Aufdehnung der hinteren Schulterkapsel, sportphysiotherapeutischer und sportartspezifischer Schulung, die Entwicklung zu strukturellen Schäden abwenden.
Regelmässig sehen wir die Betroffenen, wenn das ganze Geschehen bereits weiter fortgeschritten ist und Schulterschmerzen zum problem werden. Nach einer bildgebenden Abklärung mündet das Ganze schlussendlich in einer Gelenkspiegelung ( Schulterarthroskopie ), wobei dann eine Bestandsausfnahme der Schulterbinnenschäden vorgenommen und die Angelegenheit arthroskopisch saniert wird.
Die endoskopischen OP Massnahmen, welche Anwendung finden, hängen von den vorhandenen Schulterbinnenschäden ab:
1. Falls eine SLAP Läsion vorliegt wird diese durch eine Abtragung und Glättung oder endoskopische Naht saniert. Näheres dazu können Sie hier lesen. Die unterschiedlichen SLAP Schäden gehören differenziert operativ versorgt, je nach vorhandenemSLAP Typ.
2. Traumatische Rotatorenmanschettenrisse beim jungen Sportler und in der Altersgruppe unter 40 Jahren gehören zügig operativ versorgt.
3. Teilrisse der Rotatorenmanschette, sog. Partialrisse, werden mit durchaus gutem Erfolg, geglättet.
4. Liegt eine zusätzliche Instabilität vor, z.B. im Rahmen einer zusätzlich vorhandenen SLAP Läsion oder kombiniert mit einem posterosuperioren Impingement, führt man vorne unten an der überdehnten Schulterkapsel eine sog. "Miniplicatur" durch. D.h. man verkleinert durch ein bis zwei endoskopische Nähte den - überlastungsbedingt entstandenen - geweiteten vorderen, unteren, Schulterkapselraum.
5. Bei dem seltenen anterosuperiorem Impingement wird die aufgefaserte Subscapularissehne arthroskopisch geglättet und ggf. eine endoskopische Subscapularisnaht durchgeführt. Falls die lange Bizepssehne in den Schaden miteinbezogen ist, muss sie entsprechend mitversorgt werden und der Rabenschnabelfortsatz ( Coracoid ) wird u.U. abgetragen und geglättet, im Sinne einer sog "Coracoplastik".
Wie sind die Aussichten ( Prognose ) ?
Im Allgemeinen lassen sich strukturellen Schäden der Werferschulter / Sportlerschulter arthroskopisch gut beheben und viele Sportler kehren nach der Rehabilitationsphase zu ihrer sportlichen Betätigung zurück.
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